• Kaum Leute im NUMBERLESS.

Kolumne

 

„Wo sind bloß alle?“, wundert sich Geri.

Es ist ein kalter Dezemberabend, ein grauer Schleier hängt zwischen den Häuserzeilen, die nassen Gehsteige spiegeln triste Weih­nachts­be­leuch­tun­gen. Ein Wetter, das normalerweise die Menschen in die Behaglichkeit der Bars und Clubs treiben würde.

Heute tut es das nicht. Im NUMBERLESS hängen ein paar Agglos (Zusatzinhalt anzeigen) herum, die gehört haben, dass hier die Post abgeht. Charly lehnt mit verschränkten Armen an der Flaschenwand und stiert seine paar Gäste vorwurfsvoll an, als könnten sie etwas dafür, dass die anderen nicht kommen.

Geri kippt den Rest seines Negroni runter und hebt das leere Glas in die Höhe. Charly nickt und macht sich daran, einen neuen zu mixen. Aber Geri schüttelt den Kopf und winkt ihn heran.

„Einen Highball, for a change“, sagt er.

Charly sieht ihn mitleidig an: „Was für einen?“

„Gibt es verschiedene?“, fragt Geri und ist froh, dass die anderen nicht hier sind.

„Dubonnet Highball, Slow Down Highball, Aureum Highball, Diki Diki Highball, Bourbon Highball, Moscow Mule Highball, Dark ‘n’ Stormy Highball, Cuba Libre, you name it.“

Der Einzige, den Geri kennt, ist der Cuba Libre, aber der war früher nicht politisch korrekt gewesen. Möglicherweise ist er es jetzt, aber sicherheitshalber bestellt er, als täte er dies jeden Tag, einen Dark ‘n’ Stormy.

Er schaut zu, wie Charly Limettensaft, dunkelbraunen alten Rum, Ginger Beer und Eiswürfel in ein hohes Glas gibt und mit seinem langen Barlöffel umrührt.

„Wo sind denn alle?“, wagt er zu fragen, als Charly den Longdrink gelangweilt vor ihn hinstellt.

„Wo wohl?“, antwortet Charly schulterzuckend.

 

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