• Martin Suter und Geri Weibel wünschen Ihnen ein glückliches Neues Jahr. Falls es das gibt.

Kolumne

 

Vor seinem Rückzug in die Karibik – Geri gefällt diese Formulierung, „Rückzug in die Karibik“, er verwendet sie oft, allerdings ohne Echo vonseiten der Clique – also bevor er mit Aira, der Schönsten im Limbo und auch sonst auf der Welt in die Karibik auswanderte, gehörte es zum guten Ton, die Festtage zu ignorieren. Heiligabend war der Clique nicht heilig. Aber auch nicht ausgesprochen unheilig. Es war ein Abend wie jeder andere. So bedeutungslos wie Silvester. Ein hundsgemeiner Wochentag.

Für Geri war das nicht einfach gewesen. Er hatte sich einst in letzter Minute in den Weihnachtsrummel geschlichen, um ein paar Geschenke zu ergattern. Und sich selbstverständlich dabei erwischen lassen.

Umso überraschter war er gewesen, als nach seiner Rückkehr „Weihnachten“ in der Clique nicht mehr unaussprechlich war. Nicht nur als Wort, sogar als Anlass. Charly hängte im NUMBERLESS sogar etwas Weihnachtsdekoration auf. Zwar extrem kitschige chinesische, aber ganz so ironisch, wie Geri dachte, war sie nicht gemeint. Sonst hätte die Clique seine Bemerkung „Merry Kitschmess“ nicht so ungnädig aufgenommen.

Und wenn noch ein Beweis für die Rehabilitierung des Weihnachtsfestes nötig gewesen wäre, dann wäre es die Tatsache gewesen, dass er der Einzige war, der am Heiligabend nicht mit einer originellen Winzigkeit auftauchte – zum Beispiel wie Freddy Gut mit einem Bleistiftspitzer für Carl Schnells spitze Bemerkungen.

Spätestens nach diesen Indizien war für Geri klar, dass auch der Jahreswechsel mittlerweile enttabuisiert sein musste. Deswegen erkundigt er sich kurz nach Weihnachten ganz unbefangen: „Wie rutschen wir?“

 

Der unbeschränkte Zugang zu Martin Suters Kolumnen, Texten, Podcasts, Videos, Bildern und Überraschungen kostet nur sechs Franken im Monat. Wenn Sie sich für das Jahresabo entscheiden, bekommen Sie sogar noch zwei Monate geschenkt.
Ich will abonnieren Ich bin abonniert

Kontext-Aktionen