Kolumne

 

Am nächsten Abend ist Geri Weibel (Zusatzinhalt anzeigen)   in der FehlBar. Sie liegt ein wenig abseits des Vergnügungsviertels in einer ehemaligen Eisen­wa­ren­hand­lung, deren Name noch immer in verwaschener Farbe auf dem rissigen Verputz der Fassade über dem Schaufenster steht: GRUBER SÖHNE.

Über dem Eingang in rotschwarzer Leuchtschrift: FehlBar. Dem „Fehl“ fehlt das „e“. Ein Grafikerwitzchen, das nicht unbedingt zur Leser­lich­keit beiträgt.

Geri betritt die Bar aber nicht direkt, er will zuerst die Lage erkunden. Er setzt sich schräg gegenüber in den Tearoom Kakadu (Zusatzinhalt anzeigen) ans Fenster und bestellt einen Pfefferminztee. Er ist der einzige Gast, und die hochtoupierte platinblonde alte Dame, die ihn bedient, sagt: „Wir schließen gleich“, bevor sie zur Kaffeemaschine schlurft und den ohrenbetäubenden Dampferhitzer in Betrieb setzt.

Sie bringt ihm den Tee in einem Glas, das in einem heißen Chrombehälter (Zusatzinhalt anzeigen) steht, und wartet darauf, dass er gleich bezahlt. Geri tut es und konzentriert sich dann auf den Eingang der FehlBar.

Deren Eröffnung scheint sich noch nicht herumgesprochen zu haben, es ist nicht viel los. Ab und zu ein paar Unschlüssige, die auf den Eingang zusteuern, dann durch das Schaufenster linsen und entweder hinein- oder weitergehen. Und selten ein paar Zielstrebige, die die Bar betreten, als wären sie schon seit Jahren Stammgäste.

Kein bekanntes Gesicht darunter.

Die Bedienung beginnt, die Stühle schräg vornüber gegen die Tischkante zu kippen und schaut dabei zu ihrem einzigen Gast herüber, bis dieser aufsteht und gehen will.

Aber dann sieht er auf der anderen Straßenseite eine Frau auf die FehlBar zugehen. Es ist die rundliche, statt schlanke, blonde, statt schwarze, aber dennoch eindeutig erkennbare Susi Schläfli (Zusatzinhalt anzeigen) (Zusatzinhalt anzeigen) .

Geri lässt die Türklinke wieder los und wendet sich um. Die Stühle seines Tischs sind bereits gegen die Tischkante gekippt.

„Etwas vergessen?“, fragt die Frau mürrisch.

„Toilette“, antwortet Geri und schaut sich suchend um.

Sie stöhnt und deutet mit dem Daumen hinter sich.

Geri schließt sich ein. Wenn er jetzt in die FehlBar geht, wird er Susi begrüßen müssen.

Aber wie?

 

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