Kolumne

 

Eine von Geri Weibels frühesten Niederlagen war das Fahrradfahren. Er konnte es einfach nicht. Als die anderen Kinder im Kindergarten auf dem Roller schon die Schwalbe beherrschten, kippte er immer noch um, sobald er den Tretfuß auch nur eine Sekunde vom Boden hob.

Geris Stärke war das Dreirad. Damit fuhr er allen Gleichaltrigen davon. Besser gesagt: Wäre er davongefahren, wenn sich die Gleichaltrigen noch mit Dreirädern abgegeben hätten. Aber die waren bereits beim Fahrrad angelangt. Und zwar ohne Stützräder.

Während Geri noch immer auf solche angewiesen war. Er hatte sich eine eigene Technik angeeignet: Er fuhr schräg. (Zusatzinhalt anzeigen)   Auf den beiden Reifen und auf das linke Hilfsrad gestützt. Damit er nicht kippte, lehnte er den Oberkörper nach rechts und pedalte so als geknickter Dreiradfahrer durch die Gegend. Bis er merkte, dass das fröhliche Lachen der anderen Kinder nicht ein An-, sondern ein Auslachen war.

Aus dieser Zeit stammt Geris Trauma, ausgelacht zu werden. Und als direkte Folge davon vermutlich seine steten Bemühungen, nicht anders zu sein als die andern.

 

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