Kolumne

 

Die erste Szene, in der Allmens Lieblingstaxi vorkommt:

Allmen trug einen etwas herbstlichen dunklen Anzug seines schon lange vernachlässigten englischen Schneiders und eine nachtblaue, kaum gemusterte Krawatte, unter einem navyblauen Kaschmirmantel von dessen ebenfalls entfremdeten römischen Berufskollegen, als ihm Herr Arnold den Schirm abnahm und die Tür seines 1978er Fleetwood Cadillacs öffnete.

Allmen war Stammkunde bei Herrn Arnold. Er besaß zwei Taxis, einen Mercedes Diesel und ebendiesen schwarzen chromblitzenden Amerikanerschlitten, den er für Liebhaber wie Allmen aus der Garage holte. Für solche Kunden arbeitete er auch auf Monatsrechnung. Dass diese in letzter Zeit im Fall des Herrn von Allmen etwas sehr unpünktlich bezahlt wurde, führte er auf administrative Gründe zurück. Jemand, der so wohnt, hat keine Geldsorgen.

Allmen lehnte sich auf der weinroten Lederbank im Fond des Fleetwood zurück und genoss die kurze Fahrt vom Villenviertel zum Stadtzentrum. Herr Arnold, ein kompakter besonnener Mann in den Sechzigern, gehörte zu den Taxifahrern, die nur sprachen, wenn sie gefragt wurden. Er belästigte seine Fahrgäste nicht mit seinen politischen, weltanschaulichen oder verkehrstechnischen Problemen. Das schätzte Allmen fast noch mehr als das liebevoll gepflegte Interieur dieses flüsternden Riesen.

Sie glitten langsam über den nassen Belag, auf dem sich Bremslichter, Scheinwerfer und Straßenlampen spiegelten. Vor den Schaufenstern eilten die Schatten der Passanten und ihrer Schirme vorbei.  Das lauteste Geräusch im Wageninnern war das kurze Stottern eines der Scheibenwischergummis, jedes zweite Mal, wenn er sich zurückbewegte.

(Aus Allmen und die Libellen)

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