Kolumne

 

Es läutet dreimal. Er könnte nicht zu Hause sein. War­ten, bis es wieder dreimal läutet. Warten, bis der Briefträger die Abholungseinladung ausgefüllt hat. Warten, eine Woche oder zwei, bis er wieder drei­mal läutet. Warten, ein paar Tage oder länger, bis zwei Polizisten läuten. Rechtsvorschlag erheben. Warten, was passiert.

Es läutet wieder dreimal. Der Mann geht zum Fenster, öffnet es. "Komme!", ruft er. Schließt das Fenster. Wonach hat es gerochen? Nach etwas von früher, lange her. Er geht die Treppe hinun­ter. Der Briefträger steht in der Sonne mit dem Empfangsbuch und dem Zah­lungsbefehl. "Bringe auch lieber angenehme Post", sagt er. Man glaubt es ihm.

"Erhebe Rechtsvorschlag" schreibt der Mann auf die da­für vorgesehene Stelle und gibt den Fackel zu­rück. "Riechen Sie das auch?"

Der Briefträger schnüffelt. "Früher hat es so gerochen." Der Briefträger geht, der Mann bleibt unter der Tür ste­hen, schnuppert. Jetzt weiß er es: Frühling. Er geht die Treppe hinauf, sein Schritt etwas weniger schwer.

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