Kolumne

 

 

 

Es ist die letzte wirkliche Urlaubswoche für Lindner und Nagel, bevor die Familien heimkehren. Beide hatten einen akzeptablen Vorwand gefunden, trotz ihres gigantischen Ferienguthabens dringend früher als geplant zurückzumüssen.

Sie hatten die Zeit genutzt, die Mittagspausen etwas auszubauen und neue oder von ihnen lange vernachlässigte sommerliche Gaststätten zu besuchen.

Nun sitzen sie im Garten des Rosenhügel und lauschen dem leichten Regen, der auf den großen weißen Sonnenschirm trommelt. Jeder sucht nach einem Thema, das sie in den letzten Tagen noch nicht durchgenommen haben. Nagel ist der erste, der auf eines stößt:

„Winterkorn muss nun doch mit einer Anklage rechnen.“

„Der VW-Boss?“

„Ex-.“

„Überrascht dich das?“, fragt Lindner träge.

Nagel zuckt mit den Schultern. „Ein bisschen schon. Er ist immerhin – war – der oberste Chef des größten Industrie­un­ter­neh­mens Deutschlands.“

„Und?“

„Sollte es da nicht so etwas wie eine Obergrenze geben?“

Lindner hat jetzt seine Trägheit abgelegt. „Für die Ver­ant­wor­tung?“

„Nein, nein. Natürlich nicht. Aber für die Strafbarkeit.“

 

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