Kolumne

 

„Jetzt bin ich aber gespannt.“

 

Stephanie Steiner lässt sich auf den Stuhl sinken, den ihr Mann ihr unterschiebt. Sie tut es sehr vorsichtig, es wäre ihr neu, dass er Übung in dieser galanten Geste besitzt.

Er hat bei „Chez Antoine“ einen netten Nischentisch reserviert. Auch das etwas, worin er, nach ihrer Erfahrung der letzten zwölf Jahre, wenig Übung hat.

Steiner setzt sich ihr nun feierlich gegenüber und... ähm...

Der Chef de Service rettet ihn aus der verlegenen Pause mit der Frage: „Ein kleiner Drink zur Ein­stimmung? Ein Gläschen Champagner?“

Fehlt nur, dass er uns zuzwinkert wie einem Liebespaar, denkt Stephanie.

Steiner überlegt.

Wenn er jetzt ja (Zusatzinhalt anzeigen) sagt, dann bin ich wirklich gespannt.

„Ja.“

Sie warten lächelnd auf die Kelche. Als Stephanies Lächelmuskeln nicht mehr durchhalten, erkundigt sie sich: „Darf ich fragen, was der Anlass ist?“

„Einfach so“, antwortet Steiner, erleichtert, dass sie das Schweigen gebrochen hat, „null besonderer Anlass.“

Stephanie sagt nichts. Sie weiß, dass da noch etwas folgen wird.

„Das kommt einfach zu kurz im Management. Der Non-Business-Bereich, das Work-Life-Mäßige, ver­stehst du, was ich meine?“

„Wenn du meinst, dass wir zu selten ausgehen, verstehe ich, was du meinst.“

Ein Kellner bringt die beiden Champagner. Sie stoßen an, als wollten sie den letzten Satz besie­geln.

Steiner behält den Schluck im Mund, lässt ihn am Gaumen rollen und kaut ihn mit sanften Kieferbe­wegungen, als wäre es schwerer Bordeaux.

Auch darin nicht sehr geübt, denkt Stephanie, ein wenig gerührt.

Als er endlich geschluckt und anerkennend genickt hat, kommt es:

„Stell dir vor, es gibt Leute, gescheite Leute, wohlverstanden, Psychologen, die finden, dass sich im Management das Private und das Geschäftliche ausschließen.“

Die These lässt Stephanie unwidersprochen, aber die Konsequenzen daraus interessieren sie. „Und was schlagen diese gescheiten Psychologen für eine Lösung vor?“, erkundigt sie sich.

Steiner leert das Glas in einem Zug. Will er sich Mut für den nächsten Satz antrinken?, fragt sich Stephanie.

„Es gibt welche, die zum Beispiel sagen, Topma­nager sollten keine Kinder haben (Zusatzinhalt anzeigen) .“

Stephanie lacht unbeschwert auf und prostet ihrem Mann zu. „Zum Glück bist du kein Topmanager.“

 

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