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Neun Jahre Schmidt und Menzel

Schmidt hat die S‑Klasse früh aus der Be­triebs­ga­ra­ge ge­holt, in­nen et­was ge­saugt und au­ßen et­was ge­wa­schen, ob­wohl die Wet­ter­pro­gno­sen Schnee­re­gen mel­den. Als er vor Men­zels Vil­la vor­fährt, klat­schen auch schon schwe­re Flo­cken auf die Wind­schutz­schei­be.

Schmidt ist acht­zehn Mi­nu­ten zu früh. Er ist auch pri­vat zu früh, aber wenn er Men­zel fah­ren muss, noch et­was frü­her. Men­zel kann es ein­fal­len, vor der ver­ab­re­de­ten Zeit vor die Haus­tür zu tre­ten und be­lei­digt zu sein, wenn sein Fah­rer noch nicht da ist.

Schmidt schaut zu, wie der nas­se Schnee die bun­ten Licht­lein der LED-Weih­nachts­gir­lan­den auf der Buchs­he­cke ver­lö­schen lässt. Al­le paar Mi­nu­ten setzt er den Schei­ben­wi­scher in Be­we­gung, da­mit er die Haus­tür im Au­ge be­hal­ten kann. Um drei­zehn nach sie­ben holt er den Schirm aus dem Kof­fer­raum, um vier­tel nach steht er da­mit vor der Haus­tür. Klin­geln darf er nicht, Men­zels Gat­tin schläft um die­se Zeit noch.

Um schät­zungs­wei­se zwan­zig nach – ge­nau weiß es Schmidt nicht, denn er kann nicht auf die Uhr schau­en, falls Men­zel dies durch die Über­wa­chungs­ka­me­ra se­hen wür­de, könn­te er es als Un­ge­duld in­ter­pre­tie­ren – kommt Men­zel aus der Tür, mur­melt „Sau­wet­ter“, lässt sich von Schmidt be­schirmt zum Wa­gen füh­ren, über­reicht ihm den Man­tel, steigt ein und wischt sich vor­wurfs­voll ein paar nas­se Schnee­flo­cken weg, die bei die­sem Ma­nö­ver auf sei­ner Schul­ter ge­lan­det sind.

Schmidt legt den Man­tel vor­sich­tig in den Kof­fer­raum und setzt sich hin­ters Steu­er.

„Zum Werk Süd“, brummt Men­zel.

„Ger­ne, Herr Dok­tor Men­zel“, ant­wor­tet Schmidt. Und denkt: Als ob das nicht auf der Fahr-Dis­po ste­hen wür­de, du Voll­idi­ot, ver­trot­tel­ter!